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Caracas Immobilien
Rechtliche Dokumente — Compliance
Recht & Compliance

Der rechtliche Rahmen — was deutsche Käufer wissen müssen

Eigentumsrecht, Steuern, Devisen, Erbrecht, Doppelbesteuerung. Wir erklären den Rahmen, ohne Anwalts- oder Steuerberatung zu ersetzen.

1. Eigentum für Ausländer — Verfassungsrechtlicher Rahmen

Artikel 115 der venezolanischen Verfassung (Constitución de la República Bolivariana de Venezuela, 1999) garantiert das Recht auf Privateigentum ohne Unterscheidung zwischen In- und Ausländern. Es gibt keine Beschränkung der Quadratmeter, keine Genehmigungspflicht für ausländische Käufer und keine Sperrgebiete für Wohnimmobilien in Caracas oder seinen Premium-Stadtteilen.

Eine Ausnahme besteht historisch für Grenzgebiete (50 km zur Landesgrenze) — das ist für Caracas-Investoren irrelevant, aber wichtig zu wissen, falls Sie Immobilien an der kolumbianischen Grenze erwägen.

2. RIF — die Steuernummer

Die RIF (Registro de Información Fiscal) ist das venezolanische Pendant zur deutschen Steueridentifikationsnummer. Jeder Immobilienkäufer muss eine RIF besitzen — sowohl natürliche Personen als auch venezolanische Gesellschaften (CA / SRL).

Beantragung: über das SENIAT (Servicio Nacional Integrado de Administración Aduanera y Tributaria), persönlich oder per Vollmacht. Erforderlich: Reisepass, Apostille, Wohnsitznachweis. Bearbeitungszeit 5–10 Werktage, Kosten ca. 80 USD.

3. Notar- und Registerkosten

Die staatlichen Gebühren sind transparent und prozentual auf den Kaufpreis berechnet:

  • Notar (Notaría Pública): 0,4–0,8 % des Kaufpreises
  • Registereintragung (Registro Inmobiliario Subalterno): 0,5–1 %
  • Stempelsteuer (Timbres Fiscales): ca. 0,2 %
  • Catastro-Bestätigung: 80–200 USD pauschal

Anwalts- und Begleitungs-Honorare sind separat und werden im Vorfeld transparent vereinbart.

4. Devisen und Kapitalverkehr

Venezuela hatte zwischen 2003 und 2019 strenge Devisenkontrollen. Diese Regime sind de facto nicht mehr durchgesetzt; seit 2024 ist die USD-Nutzung im inländischen Zahlungsverkehr de jure legalisiert. Konkret bedeutet das:

  • USD-Banküberweisungen aus dem Ausland sind möglich (mit AML-Compliance).
  • Notarverträge in USD sind etabliert und vollziehbar.
  • Mietverträge in USD sind Standard.
  • USD-Bargeldzahlungen über 50.000 USD erfordern AML-Bestätigungen.

5. Geldwäschegesetzgebung

Venezuela ist Mitglied der Financial Action Task Force-Untergliederung GAFILAT und hat AML-Gesetzgebung ähnlich der EU. Notare und Banken sind verpflichtet, bei Transaktionen über bestimmten Schwellenwerten Identitäts-, Herkunfts- und Zweck-Dokumentation zu prüfen.

Praktische Konsequenz für Sie: Erwarten Sie auf der venezolanischen und deutschen Bank-Seite Anfragen zu Mittelherkunft und Zweck. Wir bereiten ein Compliance-Paket vor, das diese Anforderungen erfüllt.

6. Doppelbesteuerung Deutschland–Venezuela

Das Doppelbesteuerungsabkommen (DBA) zwischen Deutschland und Venezuela vom 8. Februar 1995 (in Kraft seit 1997) regelt die steuerliche Behandlung folgender Tatbestände:

  • Mieterträge: Besteuerung am Belegenheitsort (Venezuela). In Deutschland Anrechnung der gezahlten Steuer (Art. 23).
  • Veräußerungsgewinne: Besteuerung am Belegenheitsort. In Deutschland gilt §23 EStG (Spekulationsfrist 10 Jahre für Privatpersonen).
  • Erbschaft: Besteuerung am Belegenheitsort und ggf. nach deutschem Erbschaftsteuergesetz.

Die konkrete Anwendung des DBA ist komplex und Steuerberater-Materie. Wir liefern alle dokumentarischen Grundlagen auf Deutsch und koordinieren mit Ihrem Steuerberater.

7. Erbrecht

Venezuela kennt ein Forced-Heirship-System (Pflichtteil, "legítima"). Bei Tod eines Eigentümers werden bestimmte Anteile zwingend an Ehegatten und Kinder vererbt. Praktische Konsequenz: Eine venezolanische LLC (CA) als Eigentümer hebelt die automatische Erbenstellung an der Immobilie aus — die Anteile der CA können frei testamentiert werden.

Schenkungen unter Lebenden unterliegen einer Schenkungssteuer (1–22 % je nach Verwandtschaftsgrad und Wert). Wir empfehlen für jeden Käufer mit Familienkontext eine frühzeitige strukturierende Beratung.

8. Mieterschutz

Das venezolanische Mietrecht (Ley de Regularización del Arrendamiento Inmobiliario, 2014) unterscheidet zwischen Wohn- und Gewerbe-Mietverträgen. Premium-Mietverträge werden überwiegend in einem deregulierten Bereich abgeschlossen, der USD-Indexierung, jährliche Anpassungen und marktübliche Kündigungsfristen erlaubt.

Häufige Fragen

Brauche ich eine venezolanische Steuernummer (RIF)?
Ja — eine RIF (Registro de Información Fiscal) ist Pflicht für jeden Immobilienkauf. Wir beantragen die RIF im Rahmen des Kaufprozesses; die Beantragung dauert 5–10 Werktage und kostet einmalig ca. 80 USD.
Gibt es Kapitalverkehrskontrollen?
Formal ja, faktisch werden USD-Transaktionen seit 2019 toleriert und sind seit 2024 weitgehend legalisiert. Banken akzeptieren USD-Eingänge mit AML-Compliance; Notare beurkunden Verträge in USD.
Kann ich mein Eigentum verlieren?
Wohnimmobilien in Premium-Lagen wurden in den letzten 25 Jahren nicht enteignet. Das Risiko ist nicht null, aber empirisch sehr begrenzt. Verfassungsmäßiger Schutz (Art. 115) und Diaspora-Engagement schützen den Wohnimmobilien-Sektor vor politischen Eingriffen.
Gilt das deutsch-venezolanische Doppelbesteuerungsabkommen?
Ja — das DBA Deutschland-Venezuela von 1995 (in Kraft seit 1997) regelt die Besteuerung von Mieteinkünften und Veräußerungsgewinnen. Mieterträge werden grundsätzlich am Belegenheitsort (Venezuela) besteuert; in Deutschland erfolgt Anrechnung. Konkrete Anwendung: Steuerberater erforderlich.

Quellen & weiterführende Links

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